Tandemsprung Ablauf
Abenteuer Freifall: Dein erster Tandemsprung Schritt für Schritt erklärt
Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit selbst. Ein Tandemsprung ist der sicherste und einfachste Weg, diesen Traum wahr werden zu lassen, ohne monatelang die Schulbank drücken zu müssen. Doch was passiert eigentlich zwischen der Ankunft am Flugplatz und der sicheren Landung auf der Wiese? Hier erfährst du alles, was du als absoluter Anfänger wissen musst.
1. Die Formalitäten: Sicherheit beginnt am Schreibtisch
Bevor du in den Overall schlüpfst, klären wir das „Papierwerk“. Jeder Tandemsprung beginnt im Manifest (der Anmeldung) des Sprungplatzes. Hier wird zunächst geprüft, ob du die körperlichen Voraussetzungen erfüllst. Du musst nicht fit wie ein Profisportler sein, aber eine gewisse Grundbeweglichkeit ist wichtig, um später die Landeposition einnehmen zu können. Ein ärztliches Attest ist für Tandemgäste in Deutschland zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber du musst eine Selbstauskunft zu deinem Gesundheitszustand abgeben.
Ein entscheidender Punkt ist der Beförderungsvertrag (BV). Dieser Vertrag ist rechtlich wichtig, da er das Luftverkehrsgesetz (LuftVG) für deinen Sprung in Kraft setzt und damit auch den Versicherungsschutz regelt. Du wirst über die versicherungstechnischen Details (Halter- und Passagierhaftpflicht) sowie über die naturgegebenen Risiken des Sports aufgeklärt. Sobald die Unterschrift unter dem Vertrag und der Haftungsvereinbarung steht, bist du offiziell ein Tandemgast.
2. Das Briefing: Trockentraining für den Ernstfall
Nun triffst du deinen Tandempiloten – deinen persönlichen Profi für die nächsten 30 bis 60 Minuten. Das sogenannte Tandembriefing ist keine lange Vorlesung, sondern eine gezielte praktische Einweisung. Dein Pilot erklärt dir den Aufbau des Tandemsystems, das aus einem Haupt- und einem Reserveschirm sowie einem Öffnungsautomaten besteht.
Das Wichtigste für dich sind die drei Phasen des Sprungs:
Der Absprung: Du lernst, wie du dich an der Flugzeugtür positionierst (meist „Bananenform“: Kopf in den Nacken, Becken nach vorne).
Der Freifall: Hier erfährst du, wie du deine Arme und Beine hältst, um stabil in der Luft zu liegen.
Die Landung: Dies ist der wichtigste Teil für deine Sicherheit. Du übst, wie du deine Beine anhebst, damit der Pilot die Landung sanft aussteuern kann.
3. "Ready for Take-off": Das Anlegen der Ausrüstung
Nach der Theorie folgt die Praxis. Du bekommst ein spezielles Passagiergurtzeug, das individuell auf deine Körpergröße und dein Gewicht eingestellt wird. Dein Pilot prüft mehrfach alle Schnallen und Verbindungen. Zur Ausrüstung gehören außerdem eine Sprungbrille (auch für Brillenträger geeignet!), eine Kopfhaube und bei kühlerem Wetter Handschuhe.
Ein wichtiger Tipp der Profis: „Alle Taschen leer!“ Schlüssel, Handys oder Kleingeld haben in der Luft nichts zu suchen. Sie könnten herausfallen und Personen am Boden gefährden oder verloren gehen. Auch Schmuck und Piercings, die hängen bleiben könnten, solltest du vorher ablegen. Sobald du „ready“ bist, geht es gemeinsam zum Flugzeug.
4. Der Steigflug: Die Ruhe vor dem Sturm
Im Flugzeug verbringst du etwa 15 bis 20 Minuten, während die Maschine sich auf die Absprunghöhe von meist 4.000 Metern schraubt. Das ist oft der Moment, in dem die Nervosität steigt. Dein Pilot nutzt diese Zeit für letzte Sicherheitschecks. Etwa 300 Meter vor der Absetzhöhe verbindet er dein Gurtzeug an vier massiven Haken fest mit seinem eigenen System. Du merkst jetzt, dass ihr eine Einheit bildet. Ein letzter Check der Brille, ein „High Five“ mit den anderen Springern – und dann geht die Tür auf.
5. Der Freifall: 50 Sekunden pures Adrenalin
Wenn du an der Türkante stehst und in die Tiefe blickst, übernimmt der Pilot das Kommando. Mit dem Absprung beginnt die Phase, die du nie vergessen wirst. Kurz nach dem Exit setzt der Pilot den Drogue (einen kleinen Bremsschirm). Dieser sorgt dafür, dass ihr stabil liegt und nicht zu schnell werdet – ihr erreicht eine konstante Geschwindigkeit von etwa 200 km/h. Der Winddruck trägt dich wie ein festes Kissen. Du kannst atmen, schreien und die unglaubliche Aussicht genießen, während dein Pilot über einen Höhenmesser den perfekten Moment für die Öffnung überwacht.
6. Die Schirmfahrt: Stille über den Wolken
In etwa 1.500 Metern Höhe zieht der Pilot die Reißleine. Es ruckt kurz, und plötzlich wird es still. Der ohrenbetäubende Wind ist weg, und du hängst sicher unter einem riesigen Flächenfallschirm. Nun habt ihr etwa 5 bis 8 Minuten Zeit, entspannt zum Flugplatz zurückzugleiten. Oft erlaubt dir der Pilot sogar, die Steuerleinen selbst einmal kurz in die Hand zu nehmen, um das Fluggefühl zu testen. In dieser Phase werden auch die unteren Haken deines Gurtzeugs oft gelockert, damit du bequemer im Gurt sitzt.
7. Die Landung: Zurück auf sicherem Boden
Der Endanflug beginnt. In etwa 100 Metern Höhe konzentriert sich der Pilot voll auf die Landezone. Jetzt kommt dein Einsatz aus dem Briefing: Beine hoch! Der Pilot bremst den Schirm kurz vor dem Boden stark ab (das „Flaren“), wodurch die Vorwärtsgeschwindigkeit fast auf Null sinkt. Meistens landet ihr sanft auf dem Gesäß in einer Rutschlandung. Sobald du wieder festen Boden unter den Füßen hast, fällt die Anspannung ab und macht Platz für ein riesiges Glücksgefühl.
8. Nachbereitung: Dein Beweis fürs Abenteuer
Zurück am Packplatz hilft dir der Pilot aus dem Gurtzeug. Viele Sprungplätze überreichen dir zum Abschluss eine Tandemurkunde oder ein Zertifikat als Beweis für deinen Mut. Wenn du ein Video- oder Fotopaket gebucht hast, kannst du dir oft schon kurz darauf die Aufnahmen deines Sprungs ansehen. Eines ist sicher: Nach diesem Erlebnis wirst du die Welt mit anderen Augen sehen!